KELLER Home » SERVICE » Unternehmen » Pressemitteilungen » Morando und Rieter – mehr als 200 Jahre Erfahrung vereint an einem Produktionsstandort

Morando S.r.l., Asti, Italien

Morando und Rieter – mehr als 200 Jahre Erfahrung vereint an einem Produktionsstandort

[Oktober 2012] Seit 2010 werden die Anlagen des deutschen Traditionsmaschinenbauers Rieter gemeinsam mit den Morando-Anlagen im italienischen Asti, dem Stammsitz von Morando, gebaut. Robert Kohl, Geschäftsführer von Morando, berichtet uns, wie sich die Deutsch-Italienische Zusammenarbeit entwickelt hat

Zi:  Als feststand, dass Rieter-Maschinen zukünftig in Asti gebaut werden, herrschte einige Skepsis bei den Zieglern, ob der Qualitätsstandard der Rieter-Anlagen gehalten werden kann. Wie ist der Stand heute?

R.K.:  Nach rund zwei Jahren Fertigung in Asti können wir sagen, dass die Qualität mindestens genauso gut ist, eher sogar besser. Die Rieter-Anlagen wurden in den letzten beiden Jahren nicht einfach nur so weiter gebaut, sondern nach und nach kompetent optimiert und weiter entwickelt.

Zi:  Die erste in Asti gefertigte Maschine war eine Dachziegelpresse DR 6 für die deutsche Firma Girnghuber in Marklkofen, eine Erfolgsgeschichte?

R.K.:  Richtig, die DR6 war sozusagen die "Nagelprobe". Sie ist die erste Dachziegelpresse, die komplett bei Morando gefertigt und montiert wurde – nach Konstruktionsunterlagen der Rieter-Werke und mit einer Steuerung der Firma KELLER HCW. Wir haben die Kompetenzen von Morando, Rieter und KELLER HCW gebündelt und die Presse weiter verbessert. Morando hat die Sechskanttrommel mit einer Breite von 2.400 mm weiter verstärkt, um auch unter Extrembelastung annähernd durchbiegungsfrei zu arbeiten. Die hydraulische Abnahme wurde überarbeitet, die Bremswirkung der Scheibenbremse optimiert und das Malteserkreuz modifiziert. KELLER HCW hat die bestehenden Steuerungsstrukturen optimiert und auf Siemens-S7-Basis die KELLER K-Matic aufgesetzt. Die bereits bestehenden, herausragenden Merkmale der Konstruktion der Rieter-Werke wurden dabei beibehalten: Trommelbreiten von 1.600 mm bis 2.400 mm; Presskraft von 400 t; Direktantrieb über einen Getriebemotor mit Bremse, um Bewegungen präzise zu übertragen sowie die längjährig bewährte Druckerzeugung über eine 6-fach gelagerte Excenterwelle.

Die Presse wurde Mitte Dezember 2010 in kürzester Zeit in Marklkofen montiert und dann, nach Weihnachtspause, Mitte Januar 2011 mit der Inbetriebnahme begonnen. Bereits Anfang Februar konnte wieder voll produziert werden. Durch die erhöhte Presskraft von 400 t konnten die erwarteten Verbesserungen mit der geforderten Taktzahl, unter Einhaltung der hohen Qualitätsansprüche der Girnghuber GmbH, vorgefahren werden. Man kann also sagen: Ja, es ist ein Erfolgsprojekt!

Zi:  Wie gestaltete sich die Überführung des deutschen Know-hows in die italienische Fertigung?

R.K.:  Nun, ganz einfach war das am Anfang natürlich nicht, auch aufgrund der verschiedenen Sprachen. Außerdem hatten beide Unternehmen ihre Stammmärkte und -kunden, hier musste eine für den Kunden optimale Zuordnung getroffen werden. Für die italienischen Kollegen war es eine große Herausforderung, alle Maschinenpläne zu integrieren und ins System einzupflegen und dann auch nach den Rieter-Plänen zu bauen. Da sich die weltweite Wirtschaftskrise auch auf die Auftragslage bei Morando auswirkte, waren die Mitarbeiter froh und sehr motiviert, diese zusätzliche Arbeit als Chance zu nutzen. Wir haben natürlich die Rieter-Konstrukteure eingebunden und gemeinsam wurde so z.B. das Design einiger Rieter-Maschinen optimiert, Details an den Anlagen verbessert aber auch größere Maßnahmen umgesetzt. Wir sind sicher noch nicht am Ende der Integration angekommen und arbeiten weiter daran, die Zusammenarbeit noch zu verbessern.

Zi:  Sie sprachen die Stammmärkte und -kunden an. Wie haben Sie die Betreuung der Kunden geregelt?

R.K.:  Das war einer der wichtigsten Punkte überhaut. Unser Credo ist: "Der Kunde ist das Wesentliche und er steht stets im Mittelpunkt!" Aus der Historie heraus konzentrierten sich die drei Firmen KELLER HCW, Morando und Rieter auf z.T. unterschiedliche Märkte. Unser Vertrieb weltweit ist unter der Flagge der KELLER Division organisiert. In der Kooperation bieten sich hier auch völlig neue Möglichkeiten. Wir können mit Produkten in Regionen Fuß zu fassen, die die einzelnen Firmen vorher nur wenig aktiv bearbeitet haben. Unsere Französisch sprechenden Kunden z.B. werden von den Morando-Mitarbeitern betreut, für den deutschsprachigen Raum sind die Rieter-Leute verantwortlich. In der Kooperation mit KELLER HCW bearbeiten wir das Russisch sprechende Gebiet erfolgreich. Aber natürlich spricht unsere Vertriebsmannschaft durchgehend Englisch.

Zi:  Eine gemeinsame Sprache zu sprechen, das ist auch beim Thema Service sehr wichtig, oder?

R.K.:  Ja, auf jeden Fall! Der Servicegedanke steht über allem. Wir haben z.B. zu Beginn der Zusammenlegung einen Kollergang und ein Walzwerk von Morando in ein Ziegelwerk nach Österreich geliefert. Den Aufbau der Anlagen machten Morando-Mitarbeiter. Der Kunde hat uns dann klar gemacht, dass er aber gern deutschsprachige Monteure hätte. Wir haben reagiert und den Service machen nun die Rieter-Mitarbeiter. Hier haben wir nun viel mehr Möglichkeiten, unseren Kunden einen perfekten Service in ihrer Muttersprache zu bieten. Ersatzteillager haben wir in Asti und in Konstanz. Jeder Standort hat Lagerzugriff auf den anderen, um eine optimale Ersatzteilversorgung zu gewährleisten. Das Thema Kundenbetreuung steht bei uns aber permanent auf der Tagesordnung und wird beständig optimiert. Wir sind für Anregungen und Verbesserungsvorschläge unserer Kunden immer offen.

Zi:  Wie hat sich die Zusammenführung der früheren Wettbewerber Morando und Rieter auf das Lieferprogramm ausgewirkt?

R.K.:  Natürlich gab es Überschneidungen im Maschinenpark. Teilweise gibt es die immer noch, da die Anforderungen der Kunden in den verschiedenen Märkten unterschiedlich sind. Wir verfügen bei Morando/Rieter über ein Maschinenprogramm, dass allen Anforderungen gerecht wird. Die Übersicht über unser Lieferprogramm (>>Tabelle 1) veranschaulicht sehr deutlich, dass beide Anbieter sehr gleichmäßig vertreten sind und sich das Angebot so gut ergänzt.

Unsere Kunden bekommen so das Optimum aus der breiten Angebotspalette. In Südamerika beispielsweise sind die Morando Maschinen sehr bekannt. Jetzt bieten wir in verschiedenen Bereichen auch Rieter-Maschinen an. So hat einem historischen Morando-Kunden bei seinem Besuch in Asti das neu designte Walzwerk Titan so gut gefallen, dass er sich dafür entschieden hat. Dieses neue Design ist auch ein Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit von Morando und Rieter.

Zi:  Auch die bei Röben in Brüggen installierte Zubehörpresse DTP ist so ein Beispiel.

R.K.:  Richtig, die Drehtischpresse, ein "Rieter-Urgestein", wurde hinsichtlich Antriebstechnik, Handhabung und Sicherheit grundlegend überarbeitet. Dabei wurden neuste Techniken und Ideen, Kundentipps und gesetzliche Vorgaben berücksichtigt. Alle horizontalen Verfahrachsen und die Rotation des Presstisches sind elektromechanisch realisiert und die Antriebstechnik mit Servomotoren von SEW-Eurodrive ausgestattet. Die Kraftachsen, d.h. alle vertikalen Bewegungen wurden hydraulisch realisiert und das Hydrauliksystem wurde grundlegend optimiert. Im neuen Hydrauliksystem sind alle Kreise voneinander getrennt ausgelegt. Die Versorgung erfolgt über eine leistungsgeregelte Pumpe, welche Volumenstrom und Druckerzeugung optimal an die Erfordernisse anpasst. Durch die Leistungsregelung reduzieren sich Energiebedarf und Geräuschentwicklung. Das neue Kühlsystem ist ebenfalls leistungsgeregelt. Da die Ventilatordrehzahl selbstständig an die erforderliche Kühlleistung angepasst wird, verringert sich die Geräuschemission ebenfalls wesentlich.

Die Steuerung wurde in einer Kooperation der Division KELLER entwickelt. Sie basiert auf dem erfolgreichen Konzept der KELLER K-Matik Software mit einer Steuerung Siemens S7. Durch die Zusammenarbeit der Abteilungen Formgebung bei Rieter/Morando und Automatisierungstechnik bei KELLER ist eine Maschine entstanden, die so sicher einzigartig ist.

Zi:  An den Rieter-Maschinen wurde also Einiges optimiert, und im Morando-Programm?

R.K.:  Morando hat einen neuen, 4-Läufer-Kollergang entwickelt, bisher hatten wir nur 2-Läufer im Programm. Der erste wurde im Mai 2012 an einen algerischen Kunden ausgeliefert. Mit Philipp Händle, Leiter Forschung und Entwicklung, haben wir nicht nur einen Experten für Formgebung und Aufbereitung in unseren Reihen, sondern auch den Rieter-Experten für FEM Berechnungen. Das ermöglicht uns, neue Maschinen z.B. hinsichtlich Festigkeit, Verformung und Schwingungen nach Modellrechnungen zu optimieren. Außerdem steht uns das Labor von KELLER HCW in Laggenbeck für Versuche zu Verfügung. Hier können wir beispielsweise den Laborextruder für Versuchsreihen nutzen. All diese Ergebnisse fließen dann in die Auslegung der Maschinen mit ein.

Zi:  Wie sieht die derzeitige Auftragslage aus?

R.K.:  Die derzeitige Auftragslage ist gut, wir sind mit Morando/Rieter weltweit unterwegs, vor allem aber in Russland, den Maghreb-Staaten, Zentralafrika und im mittleren Osten. Gemeinsam mit KELLER HCW bauen wir drei Gesamtwerke, alle auf höchstem technologischem Niveau, die 2013 in Betrieb gehen werden. Wir werden darüber natürlich auch in der Zi berichten.

Zi:  An welchen Forschungsthemen auf den Gebieten Aufbereitung und Formgebung in der Ziegelindustrie arbeiten Sie?

R.K.:  Energieeinsparung ist eines der bedeutendsten Themen im Entwicklungsbereich und wir optimieren unsere Maschinen dahingehend. Bei Rundbeschickern, Vorwalzwerken und Extrudern haben wir schon gute Ergebnisse erzielt. In der gesamten Division KELLER laufen viele Studien und F&E-Projekte dazu. Wir sind auch an einem EU-Projekt zum Thema "Energieeinsparung" beteiligt. Neben diesem allgegenwärtigen Thema wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. Wir setzen das Umweltmanagementsystem ISO 14001 bei Morando und auch bei KELLER HCW um. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeiten ist die Frage, wie man durch innovative Lösungen den Maschineneinsatz verringern kann.

Zi:  Herr Kohl, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen und Ihrem Deutsch-Italienischen Team viel Erfolg für die Zukunft.

Das Gespräch führte Zi-Redakteurin Anett Fischer.

Quelle: ZI, Ausgabe 11/2012

Ihre Cookie & Datenschutz-Einstellungen
Diese Seite nutzt Website Tracking-Technologien von Dritten, um ihre Dienste anzubieten und stetig zu verbessern.
Ich bin damit einverstanden und kann meine Einwilligung unter Datenschutz jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen oder ändern.
mehr...